2010 wurde erstmals im Rahmen der Buchliebling Gala der „Buchpreis für Menschenrechte“ vergeben.
Human Rights zählen, wie in der UNO-Charta angeführt, zu den Grundregeln des internationalen, menschlichen Zusammenlebens. Menschenrechte werden aber immer wieder, wie man Tag für Tag in den Nachrichten lesen, sehen und hören kann, verletzt oder missachtet. Oftmals sind es gerade Autoren und Journalisten, die durch ihr Engagement und ihren Einsatz auf Menschenrechtsverletzungen hinweisen – nicht selten bezahlen sie ihren Einsatz für Gerechtigkeit mit ihrem Leben, wenn sie sich jenen Menschen in den Weg stellen, die Rechte verletzen.
Unter Vorsitz von Johann P. Fritz, Director Emeritus International Press Institute (IPI), wurden weltweit 19 renommierte Journalisten und Medienexperten, unter ihnen beispielsweise Größen wie Simon Li (ehemaliger stellvertretender geschäftsführender Herausgeber der „Los Angeles Times“) oder Roberto Savio (Gründer und Vorsitzender von Inter Press Service) eingeladen, jeweils einen Titel zu empfehlen, der unter Berücksichtigung der UNO Menschenrechts-Charta als „besonders wertvoll“ einzustufen und entweder in Deutsch oder Englisch erhältlich ist.
Aus diesen Büchern wählt eine sechsköpfige österreichische Journalisten-Jury den/die PreisträgerIn.
Im Rahmen der BUCHLIEBLING-GALA am 1. Juni 2011 im Wiener Rathaus wird der HUMAN RIGHT BOOK AWARD vom Wiener Bürgermeister Dr. Michael Häupl an den/die PreisträgerIn überreicht.
Die Nominierungen für 2011 liegen seit geraumer Zeit der Jury vor.
Die internationalen Jurymitglieder aus Italien, Korea, Frankreich, Slowenien, Polen, Südafrika, Indien, der Schweiz, der USA, Pakistan, Großbritannien, Jordanien, Spanien, Israel, Kanada und Ungarn haben jeweils ihren Favoriten genannt und der österreichischen Jury zur Auswahl vorgelegt.
Die Themen der heuer nominierten Bücher umspannen einen weiten Bogen. Von persönlichen Erinnerungen der Litauischen Autorin Renata Serlyte an ihre Erlebnisse im post-kommunistischen Litauen und Russland der 90er-Jahre („Blaubarts Kinder“, Wieser Verlag) über die Reportagen von Barbara Demnick aus Nordkorea („Die Kinogänger von Chongjin“, Droemer), die Sozialreportagen von Günter Wallraff („Aus der schönen neuen Welt“, Kiepenheuer & Witsch) bis zu den bewegten Schilderungen von Ismael Beah in seinem Buch „Rückkehr ins Leben: Ich war Kindersoldat“, Camupus und Piper Verlag. Bob Woodward mit „Obama´s Kriege“ (DVA) ist ebeso unter den Nominierungen zu finden wie Ben Shephard mit „The Long Road Home“ (Randomhouse), der in seinem Buch die Migrationsströme unmittelbar nach dem zweiten Weltkrieg beleuchtet. Auch Peter Godwin, der für die BBC zahlreiche Reportagen produzierte, bringt mit seinem sehr persönlichen Buch „When the crocodile eats the sun“ (Pan Macmillan) seine Heimat Zimbabwe in Erinnerung. Der erfahrene ORF-Mann Eugen Freund beschreibt und analysiert in „Brennpunkte der Weltpolitik“ (Kremayr&Scheriau) die aktuellen Krisenherde der Welt.
Anhand dieser Beispiele ist erkennbar, wie groß das Spektrum und die Themenvielfalt, die der Buchmarkt zu dem Thema Menschenrechte abdeckt, sind.
Zu oft und zu rasch verschwinden Themen wieder aus den Medien, werden von anderen Schreckensszenarien abgelöst und geraten so wieder schnell in Vergessenheit. Eine Schlagzeile jagt die andere und nur manchmal kommt einem Gedanken – „wie war das eigentlich mit ......?“ Die Autorinnen und Autoren der heuer zum International Human Right Book Award nominierten Bücher haben sicher eines gemeinsam: sie versuchen mit eindrucksvollen Mitteln auf ihr jeweiliges Thema aufmerksam zu machen – auch wenn es schon lange von den Titelseiten der Zeitungen oder der frontpages von websites verschwunden ist.
Dieses Ansinnen zu unterstützen ist den Organisatoren des Buchlieblings enorm wichtig, um auf diese Weise die Arbeit dieser Autorinnen und Autoren anzuerkennen und vor allem die langfristige Bedeutung des Buches als Gedächtnis der Menschen zu unterstreichen.
DER AUTOR:

Houshang Asadi, geboren 1950, ist Journalist, Schriftsteller und Übersetzer. Asadi war Mitglied sowohl der „Writers 'Association of Iran“, als auch des „ Iranian Journalists' Syndicate” und Mitbegründer der
„Association of Iranian Film Critics and Script Writers”. Vor der islamischen Revolution war er viele Jahre als stellvertretender Herausgeber bei Irans größter Tageszeitung „Kayhan“ tätig und 12 Jahre lang Chefredakteur des landesweit größten Filmmagazins „Gozaresh“. Er verfasste Romane, Theaterstücke und Drehbücher. Auch als Übersetzer ins Persische der Werke von T.S. Eliot, Gabriel Garcia Marquez und Mario Vargas Llosa war er tätig. Als Mitglied der kommunistischen Partei wurde Asadi bereits während des Schah-Regimes öfter verhaftet. Nach der Revolution im Jahr 1979, wo alle Oppositionsparteien im Iran verboten wurden, wurde Asadi 1983 abermals verhaftet und in das berüchtigte Moshtarek-Gefängnis überführt.
Er war fast zwei Jahre in Einzelhaft. Während dieser Zeit wurde wurde er schwer gefoltert. Um zu überleben gestand Asadi unter der Folter als Spion sowohl für den Britischen als auch für den Sowjetischen Geheimdienst tätig gewesen zu sein. Er wurde zum Tode am Strang verurteilt. Die Todesstrafe wurde schlussendlich in 15 Jahre schwerer Kerker umgewandelt. Nach sechs Jahren wurde er entlassen und im Jahr 2003 gelang ihm die Flucht aus dem Iran. Jetzt lebt Houshang Asadi mit seiner Frau im Pariser Exil. Hier war er Mitbegründer der einflussreichen persisch-sprachigen Website „roozonline.com“.
DAS BUCH:

„LETTERS to my TORTURER“, Oneworld Publications, London 2010
Als Houshang Houshang 1983 verhaftet wurde, konnte er nicht wissen, dass die nun folgenden sechs Jahre durch Gewalt, Folter und grausame Torturen geprägt sind. War er doch auch ein Vorkämpfer der islamischen Revolution. Umso überraschter war er, als er von seinen ehemaligen Mitstreitern verhaftet wurde. „Brother Hamid“, Asadis Folterer erpresste unter unvorstellbaren Qualen ein Geständnis aus Asadi, in dem er die Dienste für unterschiedliche Geheimdienste eingestand. Die Beine bis zur Erlahmung gefesselt, mit verbunden Augen mit glühenden Eisen zu Geständnisssen gezwungen – so schildert Asadi seine furchtbaren Erlebnisse im Teheraner Gefängnis.
Sein Folterer Hamid ist zwischenzeitlich Iranischer Botschafter – ihn selbst verfolgen die Albträume bis heute. In seinen „Letters to my Torturer“ erzählt Houshang Asadi unter anderem auch, wie der ehemalige Mithäftling und nun Oberster Führer Ayatollah Ali Khamenei ihm das Leben rettete und stellt sich mit seinen Erinnerungen seinem ehemaligen Folterer ein letztes Mal.
Houshang ASADI im Interview, Oktober 2010 (englisch)